
Ein Bericht von JB-Kollegin Heidrun Wulf-Frick
"Frauen haben einen anderen Blick auf die Tageszeitung." Dieser fast einhelligen Meinung waren begeisterte LeserInnen, die am Frauentag, dem 8. März 2006, von der Badischen Zeitung Freiburg mit einer Frauenausgabe überrascht wurden. Das Telefon klingelte am 8. März pausenlos in den Redaktionen. "Mehr davon, bitte", forderten die 150 AnruferInnen , die an dem Tag durchkamen - nur sieben Männer waren anderer Meinung. "Gibt es den weiblichen Blick?", haben sich die Macherinnen vorab selbst gefragt.
Dazu luden die Redakteurinnen der BZ Gäste in die Mantelredaktionen ein. Manche von ihnen waren durchaus skeptisch. Aber auch die Stadtausgabe und sämtliche Lokalausgaben wurden von Frauen gemacht. Von der Redakteurin, der freien Mitarbeiterin, der Archivleiterin bis zur Layouterin und Fotografin.
Professionell wie immer ging's in den Mantelressorts los. Doch diesmal überließen die Zeitungsmacherinnen ihren Gästen die Auswahl der Themen. Selten wurde in einer Redaktionskonferenz so viel diskutiert und gelacht. Schwungvoll warfen die unterschiedlichsten Frauen (Sport-Professorin, Food Journalistin, Politologin, Studentin, Fussballerin, Geschäftsführerin, Fundraiserin, Marketingberaterin, Weinbautechnikerin, Schauspielerin, Schriftstellerin,...) ihren Blick auf die Themen, die an diesem Tag anstanden.
Katastrophenmeldungen waren genauso unbeliebt wie der Streit zwischen Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann. Der war den Frauen gerade noch eine Glosse zu Hahnenkampf statt Zickenkrieg wert. Und keine einzige wollte wissen, wie es Maria Shriver als Frau von Arnold Schwarzenegger geht. Dafür gab es eine geballte Ladung von Vorschlägen zu Hintergrundthemen. Zum Beispiel "Wenn Frauen Frauen ausbeuten."
Die Leserinnen haben das Ergebnis genossen. Besonders gut kamen auch die eingestreuten Zitate berühmter Frauen an. Hier einige Reaktionen:
"Ja, Frauen machen eine andere Zeitung, Ein wunderbar vielschichtige, dezidierte, bunte, positive, informative und klare Zeitung. Eine, wie ich sie gerne jeden Tag lesen würde." (Tanja R.)
"Normalerweise brauche ich eine halbe Stunde um die BZ zu lesen. Heute aber brauchte ich zweieinhalb und las einen Artikel nach dem anderen, weil mich so viel interessiert hat." (Lore W.)
"Mir hat die Ausgabe gut gefallen. Sie war allerdings etwa übertrieben. In jedem Fall wünsche ich mir auch eine Männerausgabe am 3. November, dem Tag des Mannes." (Peter E.)
"Die Frauen haben tatsächlich den besseren Blick, die Zusammenstellung der Artikel ist besser, nicht so reisserisch." (Gerd B.)
"Die Berichte über den Weiberkrieg und das Rugby-Team sind super, sonst liest man sowas gar nicht." (Anette W.)
"Ich wünschte mir, es wäre öfters Frauentag in der BZ." (Claudia B.)
Die Idee, eine Frauenzeitung zu machen, kam übrigens schon vor zwei Jahren von Chefredakteur Thomas Hauser. Er lobte das Werk denn auch ausdrücklich in der Redaktionskonferenz "am Tag danach". Einige Kollegen schlossen sich dem Lob an, die meisten hielten sich indes auffällig zurück. Grosses Lob von den Männern bekamen jedoch die Frauen aus der Stadtredaktion und den Lokalausgaben.
Die Kolleginnen aus den Mantelressorts berichten dagegen, dass die Stimmung noch immer etwas angespannt sei. Schließlich gab es schon im Vorfeld Diskussionen um die Frauenausgabe. Allerdings hatten sich am Produktionstag alle Männer wunschgemäß aus dem Newsroom und den angrenzenden Büros zurückgezogen. Der zweite Stock war damit männerfrei. Zwei Kollegen standen als "Auskunftsgeber" im Hintergrund zur Verfügung; selbst der Chefredakteur ließ sich nur zur Hauptkonferenz am Vormittag sehen. Am Abend feierte er dann mit den Frauen bei einem Glas Wein. "Wir werden sicher unsere Lehren aus der Frauenausgabe ziehen", versprach Thomas Hauser. Schließlich sind mehr als die Hälfte der BZ-Leser weiblich!
Dossier zum Frauentag (Texte, Film, Fotos) unter [www.badische-zeitung.de]