„Wir haben keine Probleme die
Stellen mit Frauen zu besetzen“
Interview
mit Bascha Mika, Chefredakteurin „die tageszeitung“, Berlin

Nachwuchsjournalistinnen im Gespräch mit Bascha Mika, Juni 2007 (Foto: Katrin Lechler)
Wie kommt es, dass bei der taz
mehr Redakteurinnen als Redakteure arbeiten und fast jede
zweite Ressortleiterstelle mit einer Frau besetzt ist? In
unserem Redaktionsstatut ist die Quotierung festgeschrieben.
Frauen
müssen in der Redaktion ebenso häufig vertreten sein wie Männer.
Die
Quotierung haben die Redakteurinnen 1980, also ein Jahr nach der
Gründung
der taz, mit einem Streik durchgesetzt. Wir waren damit der
erste
quotierte Betrieb der Republik. Inzwischen gehört das ausgewogene
Verhältnis
von Frauen und Männern längst zu unserer Unternehmenskultur.
Zu
dieser Kultur gehört es übrigens auch, dass fast alle Redakteure, die
Vater
werden, Elternzeit nehmen.
Welche Auswirkungen hat die
ausgewogene Besetzung der Stellen auf das Betriebsklima? Bei
uns herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre, finde ich. Aber
auch
bei uns kommt es vor, dass auf einer Redaktionskonferenz vor allem
Männer
reden. Dann wird die Diskussion gleich einen Tick mehr zum
Hahnenkampf,
als wenn sich Männer und Frauen beteiligen.
Was bedeutet es für die Zeitung,
dass sie eine Chefredakteurin hat? Eine Zeitung, bei der
eine Frau Chefin ist, zeigt dass sie für
Geschlechterfragen
und Geschlechtergerechtigkeit sehr viel offener ist,
als
andere Unternehmen.
Die taz hat den Anspruch, dass
die Belange von Frauen in der politischen Berichterstattung und
in allen anderen Teilen der Zeitung vorkommen sollen. Wie versuchen
Sie den Anspruch zu verwirklichen? Es
gibt zwei Frauen-Redakteurinnen mit je einer halben Stelle, die
sich
dafür besonders einsetzen. Aber die schaffen das natürlich nicht
alleine.
Jede Redakteurin, jeder Redakteur muss sich überlegen: Wen
interviewe
ich? Über wen schreibe ich?
Sind Sie mit
dem Ergebnis zufrieden? Nur
teilweise. Der Anspruch, dass Frauen vorkommen sollen, wird
nicht
immer erfüllt. Manche Ausgaben sind ziemliche Männer-Blätter. Aber
wir
arbeiten daran.
Ist es schwierig, qualifizierte
Redakteurinnen für das Parlamentsbüro und die
Inlandsredaktion zu finden? Nein, wir
haben keine Probleme die Stellen mit Frauen zu besetzen. Es gibt
genügend
gut qualifizierte Journalistinnen.
Seit 1998 sind Sie
Chefredakteurin der taz. Von den Chefs überregionaler Zeitungen ist nur
Hans-Werner Kilz von der Süddeutschen Zeitung länger Chefredakteur. Wie
haben Sie es geschafft, so lange zu bleiben, obwohl die taz doch
dafür berüchtigt ist, ihre ChefInnen im Nu zu verschleißen. Ich
bin eine gute Journalistin, zeige ein sicheres Gespür, wo und
wie
sich die Zeitung entwickeln muss, habe eine hohe soziale Kompetenz
und
Respekt vor den MitarbeiterInnen. Gerade die beiden letzten Punkte
sind
in einem Betrieb wie der taz mit flachen Hierarchien und großem
Kommunikationsbedarf
sehr wichtig.
Interview:
Tina StadlmayerZur
Person:
Bascha Mika wurde 1954 in Polen geboren. Seit 1988
arbeitet sie bei der taz, seit 1998 ist sie Chefredakteurin
