Internationale Medienbeobachtung GMMP und Ergebnisse für Deutschland
Frauenpräsenz in den Nachrichten noch immer niedrig

Bonn, den 05. März 2010

Nur 23 Prozent aller Personen, über die in den deutschen Nachrichten berichtet wird, sind Frauen. Ihr Anteil stieg von 22 auf 23 Prozent, also um ein Prozent gegenüber der letzten Stichtagserhebung im Jahr 2005. Auch international lässt sich nur eine Steigerung um ein Prozent (von 23 auf 24 Prozent) verzeichnen, so das vorläufige Ergebnis des Global Media Monitoring Project (GMMP) 2010.

Die Internationale Medienbeobachtung wurde 1995 vor der Weltfrauenkonferenz in Peking zum ersten Mal durchgeführt. Seitdem wird die Zählung der Männer und Frauen, die in Tageszeitungen, TV oder Radio nachrichtlich erwähnt werden, alle fünf Jahre wiederholt. Ihr kommt im Jahr 2010 eine besondere Bedeutung zu. Fünfzehn Jahre nach Peking wird geprüft, welche Fortschritte - oder auch Rückschritte - bei der Umsetzung der damals verabschiedeten Aktionsplattform erzielt worden sind. „Frauen und Medien“ war eines der als kritisch bezeichneten Felder der Plattform. Daher wurde das vorläufige internationale Ergebnis am 2. März 2010 in die Debatte der Frauenrechtskommission (54th Session of the UN Commission on Status of Women) in New York eingebracht.

Für Deutschland übernahm wie in den Vorjahren der Journalistinnenbund (JB) die Koordination der quantitativen Erhebung. Stichtag war der 10. November 2009. Zur Auswertung herangezogen wurden zwölf überregionale und regionale Tageszeitungen, zehn öffentlich-rechtliche und private Fernsehnachrichtensendungen und neun öffentlich-rechtliche und private Radio-Nachrichten. In 384 Beiträgen wurde über 839 männliche und 256 weibliche Personen berichtet. Das ergab einen Frauenanteil von 23 Prozent.

Regierungsmitglieder, Politikerinnen und Politiker wurden in den Nachrichten am häufigsten erwähnt. An erster Stelle war das Kanzlerin Angela Merkel, dennoch waren nur 20 Prozent dieser Berufsgruppe weiblich. Ein einflussreiches Amt reicht allein nicht aus, um als  Frau in den Nachrichten  bewusst wahrgenommen zu werden. Das ranghöchste Amt wird beachtet, unabhängig davon, ob es von einem Mann oder einer Frau besetzt ist.

Das GMMP oblag auch dieses Mal der „World Association of Christian Communication“ (WACC) in Toronto. Das vorläufige Ergebnis basiert auf Daten aus 42 Ländern. Zahlen aus Nordamerika sind darin noch nicht eingeschlossen. Das internationale Endergebnis mit den deutschen Vergleichszahlen wird  im Herbst 2010 vorliegen. (www.whomakesthenews.org).

 

pdf-Dokument GMMP 2010: 15 Jahre nach Peking

pdf-Dokument Unternehmerinnen im Abendkleid und die Kanzlerin bei der Arbeit:
Wie Spitzenfrauen aus Wirtschaft und Politik in den Medien erscheinen
Neue Studie von Prof. Jutta Röser & Dr. Kathrin F. Müller - Leuphana Universität Lüneburg

 



Zurück