Susanne von Paczensky ist gestorben

Susanne von Paczensky

Für viele von uns war sie eine Bastion. Unerschütterlich in ihrer Bereitschaft, sich einzumischen. Sperrig. Selbstbewusst. Oft ironisch, nie gefällig. Schon 1945 fiel sie auf als eine der wenigen Frauen, die als Berichterstatterin der Nürnberger Prozesse zugelassen waren.
War von 1947 bis 1949 Redakteurin der „Welt“, ging dann mit ihrem Mann Gert von Paczensky als Auslandskorrespondentin nach London, später nach Paris – und räsonierte zu Recht, als man jeweils ihm die politischen Themen zuteilte und ihr das Feuilleton bzw. das Ressort für Vermischtes. Eine Frauenvita wie viele: Sie umsorgte die Kinder, er machte Karriere, wurde Chef von „Panorama“ und von Radio Bremen.

Ab 1958 begann sie, als freie Autorin in Hamburg zu arbeiten, wurde ab 1969, nach der Scheidung und im Strom der Emanzipationsbewegung, zu einer der frauenpolitischen Wortführerinnen, insbesondere zum § 218, gründete mit anderen die Hamburger Gruppe F.R.A.U. ,die sich für eine komplexe Gleichstellungspolitik einsetzte, und gab von 1977 bis 1983 bei Rowohlt die Reihe „Frau aktuell“ heraus, die Themen wie Rollenbilder, Sexualität, Schwangerschaft/Verhütung und Reformen im Strafvollzug in den Mittelpunkt stellte.

1981, mit 58 Jahren, promovierte sie als Soziologin. Machte sich auch zehn Jahre später noch einmal auf, neues Terrain für sich zu erobern, ging – verunsichert durch mögliche „großdeutsche“ Ambitionen nach der Wiedervereinigung – nach San Francisco und berichtete von dort vor allem über die amerikanische Justiz für die ZEIT, Brigitte und die Süddeutsche Zeitung.

2004, als sie nach Deutschland zurückgekehrt war („Ich wollte nach Hause. Ich bin jetzt 80“), zeichnete der Journalistinnenbund sie für ihr Lebenswerk mit der Hedwig-Dohm-Urkunde aus. Sie bezeichnete das als „Gütesiegel“ für ihr lebenslanges Engagement. Magdalena  Kemper hob in ihrer Laudatio hervor, dass sie in Susanne von Paczensky stets die „kämpferische Mentorin“ gesehen habe, und sprach ihr dieselben anstiftenden Eigenschaften zu , die Hedwig Dohm auszeichneten: „Unbeirrbar, ungeduldig, spöttisch, und neugierig bis ins höchste Alter. Das passt alles gut zu Dir.“
Susanne von Paczensky starb am 15. Mai mit 87 Jahren in Hamburg.

Am 7. Juni ab 14 Uhr findet eine Trauerfeier in der Johanniskirche Hamburg-Altona statt. Die Beisetzung erfolgt später im engsten Familienkreis.

Der RBB wiederholte am Samstag,  29. Mai um 14.04 Uhr in der Reihe "Das Gespräch" eine Sendung aus den 80er Jahren.
Am 17. Mai brachte WDR5 in der Reihe „Neugier genügt“ einen Nachruf auf Susanne von Paczenky.

Hamburg, Mai 2010, Eva Kohlrusch

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