Buchcover

Die Verbergungskünstlerin

Maren Gottschalk blickt in ihrer neuen Biografie über die Malerin Frida Kahlo hinter die Masken

La Gran Ocultadora wurde sie von ihren Freunden genannt, die große Verbergungskünstlerin. Frida Kahlo (1907-1954) liebte die Maskerade. Das Spiel mit der Kostümierung wurde Teil ihrer Identität – und Teil ihres Mythos. Die indianische Tehuana-Tracht, phantasievoll variiert, ist heute untrennbar mit Frida Kahlo verbunden.

Die dramatische Lebensgeschichte von Frida Kahlo ist spätestens seit der Verfilmung Frida von und mit Salma Hayek einem größeren Publikum bekannt: Mit 18 Jahren wird die junge Frida bei einem Busunglück von einer Eisenstange aufgespießt und überlebt nur knapp. Unter den Folgen des Umfalls leidet sie jedoch ihr Leben lang, unzählige Operationen muss sie über sich ergehen lassen. Ihr Leben wird von den Schmerzen bestimmt. Ihr berühmtes Selbstbildnis Die gebrochene Säule zeigt sie eingezwängt in ein Korsett, ihr Körper ist aufgerissen und von Nägeln übersäht, ihr Rückgrat eine mehrfach gebrochene Steinsäule.
Auf dem Krankenbett beginnt die junge Frida zu malen und lernt dadurch ihren Mann, den kommunistischen Revolutionsmaler Diego Rivera kennen. Das Paar verbindet eine leidenschaftliche, doch bisweilen zerstörerische Liebe. Beide sind immer wieder untreu und bleiben sich doch obsessiv verbunden. Ihr gemeinsames Haus in San Angel besteht aus zwei Kuben, verbunden mit einer Brücke.

Nun hat Maren Gottschalk eine neue Biografie über die mexikanische Malerin vorgelegt. In Die Farben meiner Seele gelingt ihr die Erzählung von Frida Kahlos Leben jenseits von Klischees und festgefahrenen Vorstellungen. Gottschalk stilisiert Kahlo weder zur „aztekischen Göttin“ wie der Schriftsteller Carlos Fuentes dies tat, noch will sie das Bild der „kranken, betrogenen Frau“ zeichnen wie die Kunstkritik der 1980er Jahre. Im Zentrum ihrer Biografie steht die Malerin Kahlo in ihrer Ambivalenz. Klug hinterfragt Gottschalk sowohl bestehende Vorstellungen als auch Kahlos Selbstinszenierungen und beweist dabei eine fundierte Kenntnis der bisherigen Kahlo-Forschung. Gleichzeitig gelingt es ihr, Kahlos Geschichte überzeugend und vielschichtig zu erzählen und so ein plastisches Porträt einer Künstlerin zu zeichnen, die mit ihrem Werk neue Wege jenseits des Üblichen ging.

„Ich mag gerne Überraschungen und alles Unerwartete.“, beschreibt sich Kahlo einmal. „Ich kann nicht beim Naturalismus stehen bleiben. Deshalb sollten, wenn es nach mir ginge, lieber Löwen als Bücher aus einem Bücherschrank kommen.“ Ein Stück dieser Innovationskraft und Energie hat Gottschalk in ihrer gelungenen Biografie einfangen können.

Isabel Rohner

Maren Gottschalk: Die Farben meiner Seele. Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo. Beltz & Gelberg 2009. 224 Seiten, 16,95 Euro.


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