Status quo feministischer Medien in Österreich und Deutschland  

Öffentlichkeiten jenseits des Malestream

Mit der autonomen Frauenbewegung entstand  in den 70er Jahren eine Vielzahl feministischer Zeitschriften. Nicht wenige unter ihnen, die  sich in der Medienlandschaft zunächst einen sicheren Platz erobern konnten, sind inzwischen wieder vom Markt verschwunden.

Österreichs einziges feministisches Monatsmagazin an.schläge überlebte jede Krise und feierte 2008 sein 25-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass erschien zwar keine Festsschrift, sondern ein Sammelband mit 18 Beiträgen, einer namenlosen Einleitung und einem lesenswerten Nachwort der Kommunikationswissenschaftlerin  Elisabeth Klaus. Gemeinsam decken die Autorinnen  ein ungewöhnlich breites Spektrum zur Geschichte und Gegenwart feministischer Medien im deutschsprachigen Raum ab. Die Spannbreite reicht vom Flugblatt zum Fanzine, von der Lesbenpresse bis zu Frauensendern, von Print- und Online-Magazinen über Blogs bis hin zu Frauensendungen in Hörfunk und Fernsehen.

„Ob sie EMMA oder FRAZ heißen, AVIVA, L-Mag, Fiber, Sic!, oder so augenzwinkernde Titel tragen wie Schlangenbrut oder Krampfader“, sie alle verstehen sich als „zentrales  Element feministischer Bewegungen“. So befinden es die Herausgeberinnen, alle drei Redakteurinnen  der an.schläge, bei ihrer Bestandsaufnahme des Status quo. Während Gabi Horak zunächst den „Mainstream-Journalismus“ charakterisiert und anschließend darlegt, nach welchen Qualitätskriterien er arbeitet, widmen sich Lea Susemichel und  Saskya Rudigier direkt der Jubilarin, an deren Projekten sie unmittelbar beteiligt waren.
Verständlich, dass Österreich als Land der größten Dichte und Vielfalt an feministischen Medien in der Betrachtungsweise der Autorinnen überproportional vertreten ist.

Bei etlichen  Zeitschriften, die einzelne Macherinnen vorstellen, handelt es sich mehr oder weniger um einen Teil ihrer eigenen Erfolgsstory. Trotzdem kommt neben der ausführlichen Geschichtsschreibung die  Formatvielfalt innerhalb der feministischen Medien nicht zu kurz.

Besonders bemerkenswert ist, was Ina Freudenschuss und Daniela Yeoh über die auch unter deutschen Journalistinnen viel beachtete Online-Zeitung dieStandard.at zu berichten wissen. Sie entstand bereits 2000 aus dem Frauennetzwerk der Print-Ausgabe Der Standard. Dass ihre frauenpolitische Berichterstattung oftmals eine Flut antifeministischer Wortmeldungen auslöst, müssen die feministisch engagierten Mitarbeiterinnen leider immer wieder in Kauf nehmen.

Der feministischen Medienkultur in Deutschland geht die Soziologin  Gisela Notz nach. Ihren Ausführungen haftet oftmals ein nahezu flüchtiger Blick an. Manche Presseerzeugnisse hält sie gar nicht erst für erwähnenswert, andere schiebt sie kurzerhand beiseite. Umso intensiver  konzentriert sie sich auf die nicht nur von ihr seinerzeit hoch  geschätzte Zeitschrift „Courage“ (1986-1994), die jetzt im Internet wieder verfügbar ist. Dass sie auch den  2008 eingestellten beiträgen zur feministischen theorie und praxis nachtrauert, erklärt sich nicht zuletzt wohl auch aus ihrer Funktion als  Mitherausgeberin der Publikation in den Jahren 1983-1997.

Allgemein bekannt ist, dass die Finanzierung alternativer Medien von jeher ein Problem darstellt. Und so beschreibt die in Wien und Berlin lebende junge Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann in ihrem Beitrag „Alles aus Liebe“ auch die Gefahr, bei aller feministischen  Selbstbestimmung in die Falle der Selbstausbeutung zu tappen.

Sehr unterschiedlich ist die Qualität der einzelnen Beiträge zu bewerten. Über  einzelne Schwächen der Sammlung lässt sich aber angesichts der längst überfälligen Bilanz der feministischen Medienszene durchaus hinweg sehen. Lohnend ist die Lektüre allemal.

Besprochen von Marlies Hesse

Feministische Medien: Öffentlichkeiten jenseits des Malestream
Hrgs. von Lea Susyemichelo, Sakya Rudigier und Gabi Horak
Königstein: Ulrike Helmer Verlag 2008, 212 S., broschiert  19,90 €,
ISBN-10:33897412659-10



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