Journalistenreport: Frauen und ihre Berufsrealität in Österreich  


Anfang Oktober 2007 wurde im Wiener Bundeskanzleramt „Der  Journalisten-Report“ vorgestellt, eine empirische Studie zu Österreichs Medien und ihren Machern. Die vorliegende  Gesamterhebung zur Situation von insgesamt 7.100 Journalistinnen und Journalisten enthält keine allzu großen Überraschungen. Allerdings macht sie deutlich, dass sich die Situation im Nachbarland zusehends verbessert hat.  Im Vergleich  zu den zuletzt in Deutschland ermittelten Daten und Analysen gibt es dort einen fünf Prozent höheren  Frauenanteil im Journalismus als hierzulande.

Anlässlich der Buchpräsentation resümierte die Frauen- und Medienministerin Doris Bures: „Der durchschnittliche Journalist ist männlich, 42 Jahre alt, lebt in Wien, arbeitet im Printbereich, ist in der Regel kein Akademiker und verdient zwischen 3.000 und 5.000 Euro; wohingegen die durchschnittliche Journalistin  jünger ist, im Radio oder Fernsehen arbeitet und häufiger Akademikerin ist, dafür aber unter 3.000 Euro verdient.“  Grund genug, auf einer Sonderauswertung zum Thema „Frauen im Journalismus“ zu bestehen.  In der Untersuchung nimmt sie einen entsprechend breiten Raum ein. (S. 115-132).

Ausgehend von den soziodemografischen Merkmalen, beschreiben die Autoren zunächst die besonderen Charakteristika des Berufsstandes. Beantwortet werden u. a. die Fragen: Wie viele  Journalistinnen und Journalisten gibt es? Wo und wie arbeiten sie? Was unterscheidet Männer und Frauen in diesem Beruf? Haben JournalistInnen ein Studium abgeschlossen? Wie hoch ist der Anteil der Festangestellten und hat Aufstieg etwas mit Berufserfahrung zu tun?

Dass Frauen zunehmend in den Journalismus drängen, ist auch in Österreich zu beobachten. Mit einem Frauenanteil von  42 % überrundeten  sie nicht nur die Bundesrepublik (37 %), sondern bei weitem auch die Schweiz (33 %). Mehr als 60 Prozent sind  jünger als 40 Jahre. Ihre männlichen Kollegen sind in der Regel vier Jahre älter. Auffällig ist auch, dass ihre Akademisierungsrate mit 41 % die der Männer (29 %) beträchtlich übersteigt.

Ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen zeigt sich vor allem, wenn es um die Top-Positionen in den Medien geht. Da bilden Frauen nach wie vor  noch eine Ausnahme. Dies gilt vor allem für die redaktionellen Führungspositionen. Während fast jeder fünfte Mann (18,5 %) eine leitende Funktion ausübt, trifft es bei Frauen nicht mal auf jede Zehnte zu (9 %). Nur knapp mehr als ein Viertel (26 %) der Frauen nehmen einen Chefsessel oder den Stuhl einer Ressortleiterin ein. Lediglich bei den Online-Medien sieht es wesentlich günstiger aus. Dort sind 42 % der Leitungsfunktionen mit Frauen besetzt. Dagegen leiten bei den Tageszeitungen  noch immer zu vier Fünftel  die Männer die Redaktionen.

Nicht  viel anders als in Deutschland, verdienen auch  die österreichischen Frauen auf der oberen Hierarchie-Ebene durchschnittlich 500 Euro weniger als die Männer.  Bei den festen/ freien Mitarbeiterinnen fällt auf, dass es nur  zwei  bis sechs Prozent  sind, die in den höheren Honorar-Kategorien mehr als 3.500 Euro monatlich zur Verfügung haben. Während 53 % der Journalistinnen mit weniger als 2.500 Euro brutto auskommen müssen, trifft dieses Minimum  nur auf 32 % der Journalisten zu.

Wie wenig sich Frauen noch untereinander vernetzen, ist allgemein bekannt. Als Positiv-Beispiel wird besonders das „Frauennetzwerk Medien“ hervorgehoben, zu dem auch der Journalistinnenbund seit Jahren enge Kontakte pflegt.
Der „Journalisten-Report“ bietet mit all seinen relevanten Informationen, Daten und Analysen  nicht nur einen detaillierten Überblick über die Entwicklung im Berufsfeld, sondern zugleich  eine sehr gute Orientierung über die Besonderheiten und Trends im österreichischen Medienmarkt.


Besprochen von Marlies Hesse

Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Astrid Zimmermann: Österreichs Medien und ihre Macher. Eine empirische Erhebung. Wien : Fakultas Universitätsverlag 2007, 200 S. , Br, EUR 18,40, ISBN 9783708901060



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