Michaela Rosenberger/Birgit Pitsch/Marianne Lange (Hrsg.): "Habt ihr keine Männer?" 

Dem „Kellnerinnenunwesen“ sei  „energisch zu steuern“, forderte ein Fachkongreß des Gastwirtsgehilfenverbands. Angeblich aus Gründen der „Sittlichkeit“ verbaten sich die gewerkschaftlich organisierten Kellner die Konkurrenz von Frauen. Das war im Jahr 1900. 107 Jahre später feiert die Nachfolgeorganisation des Gastwirtsgehilfenverbands, die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG), ihre engagierten Frauen mit einer Buchveröffentlichung:  In Reportagen, Protokollen und Interviews werden Betriebsrätinnen und Funktionärinnen vorgestellt. 

Das war sicher auch mal nötig bei einer Gewerkschaft, die zu fast 40 Prozent aus Frauen besteht, sich aber mit der Gleichstellung der Kolleginnen  schwer tat.  So erfolgte erst 2003 eine verbindliche Quotierungsregelung für Ämter und Mandate. Und auch das Zitat  aus dem Buchtitel, „Habt ihr  in der Firma keine Männer ?“, ist vergleichsweise jungen Datums. Mit diesen Worten wurde die Bottroper Betriebsrätin Suzann Schmitz vor einigen Jahren in einem unternehmensübergreifenden Betriebsräte-Netzwerk im Ruhrgebiet begrüßt, wenn auch nicht aus dem Mund eines NGG-Kollegen.

Mit Unterstützung der Journalistin Marianne Lange haben Betriebsrätinnen und Funktionärinnen der NGG  41 ihrer Kolleginnen porträtiert. Manchmal greifen sie dabei auf gängige Gewerkschaftsprosa zurück („Die Notwendigkeit und Wichtigkeit einer Mitgliedschaft ihren Kolleginnen und Kollegen näher zu bringen war für sie selbstverständlich“). In den meisten Texten kommt aber sehr persönlich die Botschaft über: Es lohnt sich, Konflikte auszutragen, sich fachkundig zu machen und den Unverfrorenheiten von Arbeitgeber- oder Kollegenseite selbstbewußt zu begegnen. 

Den wenigsten der Porträtierten war das in die Wiege gelegt. Bandarbeiterinnen, Kellnerinnen, Verwaltungsangestellte schildern, wie sie nach den ersten Schritten – Betriebsratskandidatur, Wahl in ein gewerkschaftliches Gremium oder Teilnahme an einer Schulung - Selbstvertrauen gewannen, Konflikte austragen lernten, ihre und der Kolleginnen Rechte einforderten und wie sie dabei nicht nur Stress sondern auch noch Spass haben. Wie die Brauerei-Betriebsrätin Connie Felten: „Ich habe ein Selbstwertgefühl entwickelt, habe gelernt den Mund aufzumachen, habe erfahren, dass ich wer bin, dass ich was kann.“ Solche Erfahrungen kann man nur allen erwerbstätigen Frauen wünschen.

 
Claudia Pinl

Michaela Rosenberger/Birgit Pitsch/Marianne Lange (Hrsg.), „Habt ihr keine Männer?“ Ein Buch voll engagierter Frauen. VSA-Verlag Hamburg 2007, 206 S., 12,80 €

 


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