"Nerven lohnt" - Der neue Oeckl
Kann man einen Oeckl
besprechen? Ja, man kann die Auswahl der Adressen anschauen. Zum
Beispiel schauen, wie viele Adressen von Frauen, Frauenverbänden,
Organisationen dabei sind. Mehrere Jahre habe ich mir die Mühe gemacht
und gezählt.
„12 600 Institutionen und Verbände, mit Post,
Telefon, Telefax, und seit drei, vier Ausgaben lassen sich auch die
angegebenen E-Mail-Adressen auf eine erkleckliche Zahl von 11 600 und
die Homepages 9500 addieren, summa summarum 20 900 Ansprechpartner“
addierte ich im Jahr 2003, um dann zu stocken. Ansprechpartner?
Wohl ja, denn ich fand ja nur 60 Adressen von Frauen. So also zählte
ich mehrere Jahre lang. Und hatte dafür stets mit Frau Zügner zu tun.
Bis ich plötzlich einen Anruf von einem Herrn Hey bekam. Ich musste
mich mühsam sortieren, bis mir klar war, wen ich da am Telefon
hatte. Der etwas temperamentvolle Ingenieur Hey, den ich
unerwartet am Ohr hatte, ist presserechtlich verantwortlich für den
Oeckl.
Er war recht ungehalten. „Wir sind kein Emanzen-Oeckl“, brüllte er ins Telefon.
„Wir
haben auch die Sexarbeiterinnen drin. Und die Lesben. Mit den Lesben in
der evangelischen Kirche haben wir keine Probleme. Sobald wir die
Adressen haben, veröffentlichen wir die.“
Das konnte nicht sein.
Denn ich hatte Frau Zügner auf die CD-ROM von Helga Dickels
Frauennetzwerke (die media) aufmerksam gemacht und gehofft, dass für
den kleinen Frauenbetrieb sich gar eine Kooperation entwickeln könnte.
Da war aber nichts passiert. Ich hatte mich sogar erkundigt. Mein Traum
war nämlich immer, dass es einen Frauen-Oeckl geben sollte. Immerhin
hatte die „Courage“ einst das erste Frauenadressbuch heraus gebracht.
Mein Engagement hatte also Tradition. Und der traditionsreiche
Festlandverlag war ja dabei, den Trend im Internet zu verschlafen.
Inhaltlich und auch formal. Es könnte ja schließlich oeckln heißen
statt googeln.
Aber Herr Hey gab mir zu verstehen: „Ich fühle
mich ungerecht behandelt. Sie schreiben ja gar nicht, was wir alles
bringen, womit wir uns intensiv beschäftigen.“ Und er setzte
hinzu: „Kommen Sie mal auf den Boden der Tatsachen, der Realität an. In
den großen Verbänden, da sind Männer und Frauen drin.“ Andere schrieben
da ganz anders. Und die schrieben der Oeckl-Redaktion ja auch nicht
nach dem Mund. „Aber wenn Sie schreiben, dann hat das immer so einen
Zungenschlag. Sie sollen da nicht etwas reininterpretieren, wo wir uns
unwahrscheinlich Mühe geben.“
Na klar. Ich glaube auch, dass so
viele tausend Adressen unglaublich viel Arbeit sind. Schon deshalb
hielt ich mich zurück. Wahrscheinlich hat es gewirkt. Denn Herr Hey
rief wieder an. Diesmal sogar über Handy, während ich gerade über einen
Parkplatz ging.
Er hatte einen meiner Filme gesehen und war
beeindruckt. Ich war also doch nicht so eine… Er versprach sogar: Es
ließe sich doch etwas machen am Oeckl, Frau Zügner würde alles
zusammenstellen. Diesmal war er sanft und wünschte mir ein schönes
Wochenende.
Damit nicht genug. Zwei Jahre später ist Herr
Hey wieder in meiner Leitung. Er hätte ein Buch gelesen, in dem ich
vorkomme. Es war das Buch „Tschechien und seine Nachbarn“ aus dem
Christoph Links Verlag, geschrieben vom Prager Korrespondenten Georg
Schmidt. Ob er es mir bestellen dürfe. Ja, sage ich zögernd. Wenn ich
darin vorkäme, sollte ich es wohl kennen. Wenige Tage später ist das
Buch da. Danke Herr Hey.
Und Frau Zügner meldet sich, ob ich
nicht wieder einmal eine Besprechung schreiben wolle. Gern antworte ich
und bekomme den Oeckl 2008 als Rezensionsexemplar. „Die Ausgabe 2008
informiert über die Kommunikationsdaten (postalische Anschrift,
Telefon, Telefax, E-Mail und Internet-Adresse) von rund 13.900
Institutionen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens“, wirbt der
Oeckl in diesem Jahr mit seinen „rund 26.500 maßgebliche(n)
Ansprechpartnern.“ Schade, denke ich, dass er nicht von selbst scheibt,
wie viele Frauen dabei sind. Ich fange ich an zu zählen. Es sind wohl
wirklich mehr geworden: In der Rubrik Frauen finden sich jedenfalls nun
125 Adressen. Wer es genau wissen will, kann übrigens 5 Tage lang
die Online-Ausgabe kostenlos testen.
Trotz eines Übergewichts
von kirchlichen Frauenadressen: Die bundesweite Anlaufstelle der Frauen
in Schwarz ist dabei, auch Solwodi mit Sr. Lea Ackermann und der Marie
Schlei-Verein. Es sind aber auch der Lesbenring und die Lesben in der
Kirche zu finden. Und sogar der Journalistinnenbund mit Eva Kohlrusch
als Vorsitzender und Marlies Hesse als Geschäftsführerin, beide sind
aufgeführt. Wenn das nicht heißt: Nerven lohnt. Aber auch: die Nerven
zu behalten.
Besprochen
von: Sibylle PlogstedtDer neue Oeckl - fünf Tage kostenlos im Online-Test, sonst .... Euro.
