Meilensteine der Frauen –und Geschlechterforschung 


Mit Beginn der neuen Frauenbewegung hat sich die feministische Auseinandersetzung um die  Benachteiligungen der Frauen gegenüber den Männern zunehmend verstärkt. An den Hochschulen der Bundesrepublik etablierte sich in den 1970er Jahren die Frauen- und Geschlechterforschung. Aus verschiedenen Sozial- und Geisteswissenschaften entwickelten sich geschlechtsspezifische Fragestellungen und führten zu eigenen empirischen Befunden.

Wer sich über die Entwicklung des Fachbereichs und die gegenwärtige Situation der Lehre und Forschung einen Überblick verschaffen möchte, tut gut daran, sich in das von Ulrike Vogel, Professorin an der TU Braunschweig, verfasste Einführungswerk zu vertiefen.

In vier großen Kapiteln spannt sie den Bogen von den Ansätzen bestehender Geschlechterhierarchien über die Herausstellung wichtiger Differenzen  bis hin zu diskursbezogenen Perspektiven der Geschlechterunterschiede. Als verdienstvoll und hilfreich  erweist sich, dass sie die jeweiligen Original-Textauszüge von wichtigen Vertreterinnen  der Frauenforschung (z.B. Ute Gerhard, Sigrid Metz-Göckel, Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp) mit einleitenden Erläuterungen versieht und dabei zugleich das Literatur-Umfeld beleuchtet. Dadurch wird frau neugierig auf weitere Forschungsarbeiten der einbezogenen AutorInnen.

Während das erste Kapitel der feministischen Entwicklung des Forschungsfelds gewidmet ist, stellt das zweite Kapitel  wichtige Entwürfe zur Zweigeschlechtlichkeit vor. Im dritten Kapitel geht es um besondere Charakteristika von Frauen und Männern und um das weibliche Arbeitsvermögen. Im umfangreichsten vierten Kapitel werden Positionen präsentiert, die derzeit als aktuelle Konzeptionen gelten. Hervorzuheben sind insbesondere die aufschlussreichen Texte von Carol Hagemann-White sowie von Regine Gildemeister und Angelika Wetterer über Fragen, was „Geschlecht“ in der Frauenforschung bedeutet bzw. wie Geschlechter gemacht werden. 

Im abschließenden Ausblick gibt die Verfasserin des Lehrbuchs den Stand der Theorie-Diskussion wieder und verweist auf verschiedene Verwendungszusammenhänge.

Wem die Thematik noch nicht selbstverständlich vertraut ist, lernt eine Fülle theoretischer und methodischer Voraussetzungen kennen, um die Mechanismen des „doing gender“ besser nachvollziehen zu können.     

Besprochen von Marlies Hesse

Ulrike Vogel: Meilensteine der  Frauen- und Geschlechterforschung. Originaltexte mit Erläuterungen zur Entwicklung in der Bundesrepublik
Wiesbaden:VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007, 226 S., Br. EUR 16,90,
ISBN 978-3-531-15204-2


 

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