Reden und reden lassen!
Liebe Kolleginnen, liebe Leserinnen und Leser,
ich
freue mich sehr, Euch und Ihnen heute das neueste Buch unserer Kollegin
Heidi Wahl vorstellen zu dürfen. „Reden für private Anlässe“ heißt es
und ist gerade im Verlag Gräfe und Unzer erschienen. Der
Untertitel lautet: „Schenken Sie doch einfach Worte.“
Ein schöner Gedanke, gerade für uns Journalistinnen. Denn: Schenken wir nicht alle Worte?
Das
Wichtigste an guten Geschenken ist, dass sie persönlich sind. Sie
sollen liebevoll ausgesucht sein, genau für denjenigen, den wir
beschenken wollen. „Wohl gesetzt,“ könnte man bei Worten sagen. Besser
ist es also, wenige treffende Worte zu finden, als viele beliebige.
Ausgewählte Beispiele anzuführen, die im Gedächtnis bleiben, statt
einer Fülle von Anekdoten, die nur verwirren.
Die
Rhetorik-Expertin Heidi Wahl kommt Schritt für Schritt zur Sache.
Zunächst versucht sie dem Leser, die Angst vor der freien Rede zu
nehmen und ermuntert ihn zu vielerlei Übungen vor wachsendem Publikum.
– Sollte also demnächst eine Freundin um fünf Minuten Aufmerksamkeit
bitten, könnte es sein, dass sie eine Rede proben möchte. Kritik sei
willkommen, meint die Autorin, wobei das Maß zuvor verabredet werden
sollte: Soll die Kritik schonend oder schonungslos sein? Bis zur
eigentlichen Aufführung bleibt dann hoffentlich noch etwas Zeit.
Rechtzeitig
mit den Vorbereitungen zu beginnen, ist ein weiterer wichtiger Rat von
Heidi Wahl. Neben dem allgemeinen Schema zum Aufbau einer Rede führt
sie drei einfache Formeln an, nach denen sich ratlose Festredner
richten können. Hier nutzen wir die viergliedrige GGGG-Formel, die mit
dem Gruß beginnt (Liebe Kolleginnen...), dann den Grund der Rede nennt
(das neue Buch) und im Hauptteil mit den Geschichten aufwartet. Dabei
sind wir gerade. Bei den Geschichten. Kurz und prägnant erzählt, jeder
Satz sollte nicht mehr als ein Gedanke enthalten. Denn kurze Sätze
kommen bei Reden besser an. Das Publikum hört – hoffentlich gebannt –
zu.
Im dritten Kapitel des Buches dreht sich alles um das
schriftliche Ausarbeiten der Rede. Verben, Verben, Verben! Wolf
Schneider, früherer Chef der Henri-Nannen-Schule, lässt grüssen. Die
gute Journalistin kennt und beherzigt diese Regeln bereits, für Laien
können sie ungemein nützlich sein.
In Kapitel vier kommt es
zum großen Augenblick: „Die Rede halten“. Das ist das Kernstück des
Buches. Es gibt Tipps zur Atemtechnik, zum Sprechtempo und zur
Körpersprache - und zum Umgang mit dem Lampenfieber. Besonders schön:
die Pannenhilfe. Was tun Sie beispielsweise, wenn Ihnen die Unterlagen
herunterfallen? „Sammeln Sie sie in Ruhe ein. Bleiben Sie ganz ruhig
und kommentieren Sie das Malheur mit einer lockeren Bemerkung,“
schreibt Heidi Wahl. Natürlich greift hier auch ein Rat aus den ersten
Kapiteln: Nummerieren Sie die Karteikarten oder - bei einer komplett
ausgearbeiteten Rede – die beschriebenen Seiten!
Im zweiten Teil
des Buches finden sich „Musterreden und Textideen für jeden Anlass“.
Das können Taufen oder Geburtstage sein, Verlobungen oder Hochzeiten,
oder auch traurige Anlässe wie ein Todesfall. Stets gilt es, die
passenden Worte zu finden. Als persönliches Geschenk, speziell für den
Adressaten und seine Gäste.
Nun liebe Leserinnen und Leser, kommen
wir zum Ende unserer Rede und damit zum vierten G. Dem Glückwunsch:
Danke, liebe Heidi für dieses gut gelungene Buch. Es soll uns helfen,
stets die richtigen Worte zu schenken. Viel Erfolg damit!
Besprochen
von Doris Burger Heidi Wahl: Reden für private Anlässe. Schenken Sie doch einfach Worte. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2007. 12,90 Euro