Rückblick auf einige Treffen der Berliner Regionalgruppe....

Zurückgeblickt: 2010

JB-Treffen im November

StringerInnen und AuslandskorrespondentInnen sind mittlerweile seltene Berufe, wie wir gleich zu Beginn unseres Treffen erfuhren: Alle (!) US-amerikanische Verlage haben in den vergangenen Jahren ihre KorrespondInnentenstellen in Deutschland gestrichen. Damit fehlen auch den StringerInnen die Aufträge: Sie bieten den oft sprachunkundigen KorrespondInnenten (meist Männer) Themen an, organisieren Interviewtermine, dolmetschen und führen auch manchmal die Gespräche selbst. Und obwohl StringerInnen eventuell sogar die Textvorlage schreiben, wird ihr Name in den meisten Fällen nicht genannt.
Diese kulturelle Mittlerarbeit sparen sich immer mehr Zeitungen, nicht nur in den USA, sondern auch in Polen und den Niederlanden. Ersetzt werden sie durch freie, schlecht bezahlte JournalistInnen oder aus dem Deutschen übersetzte Spiegel-Online-Artikel. In den USA läuft  die Berichterstattung inzwischen nur noch über Agenturen, die mies recherchiertes Fastfood anbieten.
Gründe dafür gibt es viele: Wirtschaftlicher Druck, aber auch ein starkes Hinwenden zu nationalen Debatten wie dem Phänomen des Geert Wilders in den Niederlanden oder dem Parteienkrieg in Polen. Diese mediale Nabelschau hat leider einen selbstverstärkenden Effekt: Je weniger aus einem anderen (fremden) Land berichtet und über seine Eigenart vermittelt wird, umso geringer ist das Interesse an Berichten aus eben diesem Land. 
Dennoch: JournalistInnen, die allen Schwierigkeiten zum Trotz transnational berichten, können Einfluss nehmen auf die mediale Wahrnehmung eines Landes - vorausgesetzt, sie haben den Mut, sich für ein Thema abseits der gängigen Stereotype einzusetzen – zum Beispiel über Polen, die aus der Kirche austreten, oder über Deutsche, die auch mal ganz romantisch sein können.
Vielen Dank an unsere Gäste, die polnische Korrespondentin Agnieszka Hreczuk, die niederländische Journalistin Annemieke Hendriks sowie Petra Krischok und Claudia Himmelreich vom Stringerinnen-Netzwerk factfinders.

 

JB-Treffen im Oktober

Vor acht Jahren hat Dr. Gabriele Mittag dem Printjournalismus den Rücken gekehrt und sich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit entschieden. Seit einem Jahr leitet sie die Abteilung Kommunikation der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Was Journalistinnen, die eine Institution nach außen vertreten und also für PR zuständig sind, alles können oder lernen müssen, machte sie uns an vielen konkreten Beispielen klar. Hohe Flexibilität bei der tagesaktuellen Prioritätensetzung, ein gutes Zeitmanagement, strategisches Denken im Sinne des Arbeitgebers und viel diplomatisches Geschick nannte sie als wichtige Eigenschaften für einen solchen Job. Als Herausforderung empfindet sie es, sowohl mit Wissenschaftlern als auch der Verwaltung kommunizieren zu müssen, und als spannend die Möglichkeit, durch eigene Initiativen das Bild der Hochschule mitprägen zu können.

 

JB-Treffen im September

Unser Septembertreffen fand gewissermaßen auf der JB-Jahrestagung in Recklinghausen statt. Dort gab es vielerlei Anregungen und Diskussionen, von denen Manches auf der JB-Webseite nachzulesen ist. Unter anderem findet ihr auch die Laudation von Gerda Hollunder für Helga Kirchner, die in diesem Jahr mit der Hedwig-Dohm-Urkunde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Sie war zuletzt Chefredakteurin im Hörfunk des WDR. Auch die Dankesrede von Helga Kirchner steht auf der Webseite des JB.

 

JB-Treffen im September

Zwei Radiofeature-Autorinnen haben sich bei unserem Werkstattgespräch in die Karten gucken lassen. Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz erzählten, wie sie ihr Exposee schreiben, damit es in den Redaktionen auf Gehör stößt, wie sie die Gattung Hörspiel für sich künstlerisch entdeckt haben, welche Aufnahmegeräte und Mikrophone sie benutzen und nicht zuletzt – wie sich die aufwändige Recherche und Transkription der Aufnahmen möglichst rechnet. Das alles am Beispiel ihres Hörfunkfeatures „Psychoknast und Schizeria – vom klinischen Irrsinn in der DDR“ im Deutschlandfunk am 15. Januar 2010.

 

JB-Treffen im Juni

Ein nachhaltiges Sommererlebnis ergab sich bei einer Ortserkundung mit Claudia von Gélieu, die in Berlin Frauentouren organsiert und 2001 mit dem Frauenpreis des Berliner Senats ausgezeichnet wurde. Die Historikerin ließ das 1974 „plattgemachte“ Frauengefängnis Barnimstraße vor unseren Augen förmlich wieder auferstehen. Dort wurden anfänglich Prostituierte festgehalten, später „Politische“ wie Rosa Luxemburg und viele andere Frauen aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus inhaftiert. Mit Informationen über die Entstehung und Architektur des Gebäudes, das Leben hinter den Mauern und die Inhaftierten brachte uns Claudia von Gélieu die wechselhafte Geschichte des Gefängnisses nahe. Sie hat ein leider vergriffenes Buch über das frühere "Königlich-Preußische Weiber-Gefängnis" geschrieben, als sie feststellte, dass es so gut wie keine Dokumente über dieses Frauengefängnis gibt.

 

JB-Treffen im Mai

Frauen und Medikamente, das ist eine besondere Geschichte. Frauen bekommen nicht nur deutlich mehr Medikamente verordnet als Männer, sie selbst kaufen auch mehr Arzneimittel. Und: Unter den 1,7 Millionen arzneimittelabhängigen Deutschen ist Zweidrittel weiblich. Tranquilizer sind das Hauptproblem. Nicht nur solche Zusammenhänge berichtete uns die Pharmazeutin Dr. Ulrike Faber, sondern sie führte am Sissi-Syndrom vor, wie Pharmafirmen Krankheiten erfinden (disease mongering), um die dazu passenden Medikamente abzusetzen. Unsere Referentin erklärte schließlich auch, welche Rolle der Gemeinsame Bundesausschuss für die Erstattung von Arzneimitteln durch die Krankenkassen spielt. In diesem Gremium ist sie Sprecherin der Patientenvertretung.

 

JB-Treffen im April

Facebook ist kostenlos.
Tatsächlich werden wir später zur Kasse gebeten -- und zwar mit unseren persönlichen Daten, dem Gold des 21. Jahrhunderts, sagt Frauke Langguth, Leiterin von ARD Text. 750 Millionen Dollar stecken allein in Facebook - Geld, das sich für die Investoren rentieren muss. Dennoch: Mit Facebook, Twitter und Co können Journalisten schneller als mit jedem anderen Medium Informationen global streuen und den Puls der Zeit verfolgen. Aber Social Media bieten auch allzu verlockende Recherche-Möglichkeiten wie im Fall des Amoklaufs in Winnenden und böse Fallen wie beim Neda-Double: Eine junge Frau, die den gleichen Namen und ein ähnliches Gesicht wie die erschossene iranische Demonstrantin hatte, wurde von Journalisten bei Facebook verwechselt. Sie musste schließlich politisches Asyl beantragen. Frauke Langguths Fazit: Die Welt der Sozialen Netzwerke wandelt sich rasant. Das Bedürfnis nach geprüften und vorsortierten Informationen, das Zeitungen bieten, bleibt bestehen.

 

JB-Treffen im März

Krönung und Visitenkarte des Journalistinnenbundes ist die Jahrestagung. 2011 laden die Berlinerinnen ein. Bettina von Kleist hält alle Fäden des zehnköpfigen Organ-Teams in der Hand. JB-Mitglieder und interessierte Kolleginnen wollen dafür sorgen, dass ein schönes spätsommerliches Programm Lust auf Berlin und ein Treffen mit Kolleginnen macht. Workshops, Führungen und aktuelle Debatten aus Frauenperspektive kommen natürlich nicht zu kurz.

 

JB-Treffen im Februar

Vielen bekannt wurde der Nautilus Verlag mit seinem Krimi-Bestseller "Tannöd". Hanna Mittelstädt, Gründerin und Co-Verlagsleiterin, berichtete uns, wie sich ein kleiner Verlag mit anspruchsvollem Literaturprogramm, Krimis, aber auch anarchisch-libertären Titeln jahrzehntelang über Wasser halten kann und wie er mit seinen AutorInnen zusammenarbeitet. Danach war Zeit genug, um mit ihr über den Weg vom Manuskript zum Buch, über Honorare, Lizenzen für Hörbücher und Filmrechte zu sprechen.

 

JB-Treffen im Januar

Den Neujahrsschwung nutzen wir traditionell zum Pläneschmieden und Ideenausbrüten. Jede darf mitbestimmen, wo es lang geht bei unseren monatlichen Treffen: Moderationsworkshop, Rhetorikkurs, spannende Referentinnen zu Minarettverbot, Frauengesundheit, Social Media sowie Ortsbegehungen und neue Recherchetools sind in Planung. Auftakt im Februar war ein Gespräch mit der Verlegerin Hanna Mittelstädt vom Nautilus Verlag.

 

 

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