War es professioneller Optimismus oder politische Überzeugung? Die nordrhein-westfälische Frauenministerin Birgit Fischer beschrieb bei ihrem Treffen in Bochum am 7.4. 2005 mit rund 30 JB-Kolleginnen aus Köln, Bonn, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet mit lebhaften Worten die neuen Chancen der Frauenpolitik.
Nie zuvor hat es nach Einschätzung der Ministerin so vielfältige Möglichkeiten gegeben, frauenfreundliche Rahmenbedingungen in der Sozialpolitik, in der Gesundheitsfürsorge und auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen.
Und Harz IV? "Harz IV ist der große Wurf, auch wenn es in seinen Dimensionen so nicht vermittelt wurde", sagte Ministerin Fischer. Welche Auswirkungen die Reform für Frauen habe, sei allerdings noch nicht abzusehen. Hier müsse man gegebenenfalls nacharbeiten, so Fischer.
Im Gegensatz zu mancher Journalistin bleibt Birgit Fischer Optimistin: Der Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft sorge dafür, dass Unternehmen zunehmend zu der Einsicht kämen, dass sie es sich nicht leisten könnten, gut ausgebildete Frauen an die häusliche Kinderbetreuung zu verlieren. Fischer setzt auf flexible Arbeitszeitmodelle und Ganztagsschulen.
Noch sind Frauen jedenfalls in den Chefetagen nur schwach vertreten. In Deutschland liegt ihr Anteil an den Führungskräften noch immer unter vier Prozent. Allein um den Abstand zum europäischen Durchschnitt von 5,4 Prozent Frauen in den obersten Führungsetagen auszugleichen, müssten in Deutschland 280.000 weibliche Führungskräfte neu eingestellt werden.
Offen blieb in der Diskussion, welchen Anteil die Frauen selbst an dieser Situation haben. Spielregeln und Kommunikationsstrukturen werden nach wie vor von Männern bestimmt, und "Kämpfe machen eben nicht immer Spaß", so eine Teilnehmerin.
Neue Produkte und Dienstleistungen für Seniorinnen, Gesundheitswirtschaft als Arbeitsmarkt der Zukunft, Mangel an Ingenieurinnen und Führungsfrauen, Gesundheitspolitik, verlässliche Kinderbetreuung - der Diskussionsstoff schien an diesem Abend unerschöpflich.
Keine leichte Aufgabe für Moderatorin Cornelia Benninghoven. Und kein leichter Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen für die Politikerin. Schließlich, so Fischer, stellen gerade Frauen die Mehrzahl aller noch unentschlossenen Wahlberechtigten vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 22. Mai.