"Über den Wolken"

Besuch im Luft- und Raumfahrtzentrum Oberpfaffenhofen


Die höchsten Wolken schweben in den Tropen bis zu 18 Kilometer über der Erdoberfläche. Die bemannte Internationale Raumstation ISS fliegt 320 km höher. Von München aus müsste man in etwa die Strecke nach Strassburg zurücklegen - nur eben senkrecht in die Höhe. Über diese Entfernung also hält das German Space Operation Center (GSOC) Kontakt zur ISS.




Rechts von unserer Gruppe:
Blick ins Columbus-Modell




Denn das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum steuert und überwacht das europäische Columbus-Modul der internationalen Raumstation, seit es im Februar 2008 dort andockte.




Kontrollraum für die Columbus-Mission





Auf den riesigen Monitoren des Kontrollraums leuchtet der Stundenplan der Astronauten, Webkameras gewähren den Blick in die Raumstation, ein Schachbrett erscheint in Großaufnahme. Dort spielt die Bordcrew gegen die Bodencrew. Durch den Wechsel des Personals macht immer ein anderes Bodenteam den nächsten Zug. Als wir auf der Besuchertribüne sind, ist leider gerade niemand am Zug. Dafür werden wir Zug um Zug weiter durch das Luft- und Raumfahrtzentrum geführt.




Erdbeobachtungs-Satellit TerraSAR-X in Goldfolie





Auch der Erdbeobachtungs-Satellit TerraSAR-X wird von der Bodenstation in Oberpfaffenhofen kontrolliert. Terra SAR-X fliegt in 500 km Höhe (ca. Entfernung München-Göttingen) und arbeitet mit hochauflösendem Radar. Das heißt, er kann auch bei Nacht und Nebel deutliche Aufnahmen liefern. Finanziert wurde er in öffentlich-privater Partnerschaft. Er liefert Daten für Forschungszwecke und den Katastrophenschutz. Private Kunden können die Geo-Aufnahmen über die Firma Infoterra kaufen.




Geballter Informationstransfer







Im Institut der Physik der Atmosphäre bekommen wir einen kurzen Überblick über die Erkundung des Wetters und sehen einen Satellitenloop der aktuellen Wetterlage. Die Wettervorhersage hat sich in den letzten 30 Jahren um zwei Tage verbessert. Sprich: die Fünf-Tagesvorhersage ist heute so gut wie damals die Drei-Tagesvorhersage.




Der humanoide Roboter Justin






Im Labor des Instituts für Robotik und Mechatronik machen wir dann Bekanntschaft mit Justin. Der humanoide Roboter kann nicht nur programmierte Bewegungsabläufe ausführen, sondern Wahrnehmungen in Aktionen umsetzen. Mit Kameraunterstützung setzt er zum Beispiel passgenaue Formen in eine gestanzte Grundform ein. Das gelingt ihm in etwa so schnell wie einem sechsjährigen Kind. Im Test gegen unser Versuchskind unterliegt er zwar, aber das ist auch schon neun Jahre alt. Justin kann auch Flaschen aufschrauben, Gläser einschenken und Klavier spielen. In Planung ist die Erschaffung künstlicher Haut, damit die Fingerspitze eines Roboters Empfindungen genau so sensorisch erfassen und weitergeben kann wie ein menschlicher Finger. Die Forscher bedienen Justin unter anderem über zwei Daten übertragende Arme, so dass der Roboter die Bewegungen des Menschen übernimmt.




Justin tanzt





Und deshalb kann er auch tanzen wie Justin Timberlake - sehr zur Unterhaltung der Zuschauer. Seinen Namen bekam er aber nicht davon, sondern weil er "just in" time für eine Messe fertig wurde.
Im Weltraum haben Roboter allerdings sehr viel praktischere Aufgaben. Sie sollen zum Beispiel Satellitenschrott einsammeln.
Der Besuch im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum war sehr gut organisiert, wirklich informativ und auch für Schulkinder interessant.
Vielen Dank an Miriam Kamin für die Organisation dieser exklusiven Führung, an Helene Eberz für die Begleitung und an die kompetenten Wissenschaftler, die uns Auskunft gaben.
Einziger Wermutstropfen in der Fülle der Informationen: der Frauenanteil unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern des DLR ist außerhalb der PR-Abteilung verschwindend gering.

Empfehlung: Wer die Führung verpasst hat, kommt zum Tag der offenen Tür am 19.10.2008 ins DLR.


Text: Anja Rudloff
Fotos: Angelika Knop

Regionalgruppe München - Sommer 2008


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