Gerda Hollunder
Gerda Hollunder

Hedwig-Dohm-Urkunde 1998: Gerda Hollunder

Vita

1940: geboren in Beuthen/Oberschlesien
1960-1963: Buchhändlerlehre in Essen
1963-1969: Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität München
1969-1971: freie Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk
1971: Redakteurin in der Abteilung Frauen-, Kinder- und Jugendfunk (später "Familie und Gesellschaft") beim Westdeutschen Rundfunk
1982-1984: Leitung der Redaktionsgruppe "Familie und Gesellschaft"
1986-1987: freigestelltes Personalratsmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Personalvertretung
1987-1991: Leiterin der Programmgruppe "Familie und Gesellschaft"
1991-1994: Leiterin des Programmbereichs Kultur, Hörspiel und Unterhaltung im WDR Hörfunk
ab Mai 1995: Programmdirektorin des DeutschlandRadios Berlin

PDF Die komplette Laudatio als PDF-Download

Aus der Laudatio

(...)

Liebe Gerda,

als Du vor vier Jahren Programmdirektorin beim DeutschlandRadio Berlin wurdest, überraschte diese Berufung höchstens diejenigen, die Frau Hollunder nicht kannten. Denn obwohl Frauen in diesen Ämtern auch jetzt noch nicht selbstverständlich vertreten sind, musste ein Intendant auf der Suche nach einem tüchtigen Direktor meiner Meinung nach zwangsläufig auf Dich kommen. In Berlin waren drei Sender in einem deutsch-deutschen Gemeinschaftsprojekt zu fusionieren und die Programme zu reformieren. Dieser wahrhaft herkulischen Aufgabe bist Du nicht ausgewichen und hast obendrein bewiesen, dass keineswegs nur Männer sie meistern können. Dafür allein gebührt Dir Respekt und Anerkennung.

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Dein Weg als junge Journalistin - nach Buchhändlerlehre und Germanistikstudium - führte anno 68 zum Bayrischen Rundfunk, zunächst als freie Autorin und Reporterin, und dann in die Redaktion des ruhmreichen "Notizbuchs", das ist eine Radiosendung, die dem aufklärerischen Anspruch öffentlich-rechtlicher Programmarbeit verpflichtet ist. Die Dienstagsausgabe des "Notizbuchs" - so las ich - machtest Du bald zur politischen Frauensendung.

Die Frauensendung "Dampftopf" (man entdeckt die Tradition in der Namengebung für das WDR-Frauenmagazin "Abwasch"), die Du nach Deinem Wechsel zum WDR 1971 mit Magda Gatter kreiert hast, enthält für mich erkennbar die Fragen und Themen, denen Du Dich engagiert und anhaltend gewidmet hast: Frau - Arbeitswelt - Politik - Gesellschaft.

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Doch genügte Dir der distanzierte Posten der journalistischen Beobachterin nie: Im Sender warst Du Vorkämpferin für die innere Rundfunkfreiheit, standest in vorderster Reihe der Redakteursbewegung - dass der Gesetzgeber das Redakteursstatut 1985 im neuen WDR-Gesetz verankerte, geht auch auf Dein Engagement zurück. In der SPD und in der Gewerkschaft mischtest Du Dich medienpolitisch ein. Das schmälerte Deine Loyalität zum WDR nicht, noch nahm es Dir Deine Unabhängigkeit. Im Personalrat setztest Du Dich für die Rechte der Beschäftigten ein.

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Als Du meine Chefin warst, habe ich - neben Deinem Können - vor allem Deine Klarheit geschätzt, die vielen Chefs fehlt. Bei Dir wusste ich stets, woran ich war.

Davor habe ich viele Male erleben können, wie Du hausöffentlich und öffentlich aufgetreten bist. Argumentierend, werbend und wo nötig streitend für die jeweilige Sache, die Du zu Deiner gemacht hattest: respektvoll und respektgebietend, risikofreudig und mutig. Das machte Eindruck, aber - ich gebe es zu - flößte gelegentlich auch etwas Furcht ein, schuf Distanz. Abgesehen davon wirkte es jedoch als Vorbild, prägend und ermutigend. Dafür will ich Dir hier und heute ganz persönlich danken.

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Laudatio gehalten von Helga Kirchner

 

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