
Mut und Macht in den Medien – auf seiner Jahrestagung 2011 zeichnet
der jb engagierte Journalistinnen aus und wählt einen neuen Vorstand
„Mut und Macht in den Medien“ – unter diesem Titel lud der Journalistinnenbund e.V. am Sonntag, den 4. September, zur öffentlichen Podiumsdiskussion ins ARD-Hauptstadtstudio ein. DuMont-Redaktionsleiterin Brigitte Fehrle, rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle und die Bloggerin Katrin Rönicke („Frau Lila“) diskutierten unter der Leitung von Andrea Dernbach (Tagesspiegel) über Möglichkeiten von und für Frauen auf dem Weg nach oben.
„Mut und Macht in den Medien“ – unter diesem Titel lud der Journalistinnenbund e.V. am Sonntag, den 4. September, zur öffentlichen Podiumsdiskussion ins ARD-Hauptstadtstudio ein. DuMont-Redaktionsleiterin Brigitte Fehrle, rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle und die Bloggerin Katrin Rönicke („Frau Lila“) diskutierten unter der Leitung von Andrea Dernbach (Tagesspiegel) über Möglichkeiten von und für Frauen auf dem Weg nach oben.
„Ich gestalte gerne“, mit diesen Worten plädierte Claudia Nothelle dafür, sich auf den Weg in die Führungsetagen der Medien zu machen. Aber „ohne Quote geht nicht“, davon ist nicht nur Brigitte Fehrle überzeugt. Die Bloggerin Katrin Rönicke wies darauf hin, dass Macht nicht nur von einer hohen hierarchischen Position abhinge. Sie lud ein, das Netz zur schnellen Meinungsbildung und zur Organisation von Aktionen zu nutzen: „Auch das bedeutet Macht“. Rönicke kritisierte zudem die Beschleunigung der Nachrichten- und Informationsverwertung in allen Medien, sowie deren Auffassung von Aktualität: „Die Medien setzen sich selbst unter zu großen Zeitdruck. Es bleibt zu wenig Zeit, um neue Gedanken und Themen zu fassen und zu formulieren.“ Vieles, scheinbar Aktuelles, bliebe auch über den Tag hinaus wichtig und es lohnt sich, die Themen aus unterschiedlichen Perspektiven weiter zu beobachten.
Fazit der Runde: Mut und Macht bedingen sich gegenseitig, beide sind notwendig, um unabhängig und engagiert journalistisch zu arbeiten.
Neuer Vorstand des jb gewählt: Andrea Ernst ist erste Vorsitzende
Der Journalistinnenbund e.V., in dem bundesweit 450 Journalistinnen von Print- und elektronischen Medien organisiert sind, hat am 3.9. einen neuen Vorstand gewählt:
Als erste Vorsitzende amtiert für zwei Jahre Andrea Ernst (stellv. Abteilungsleiterin, WDR), ihre Stellvertreterin wurde Wibke Gerking (SWR2). Weitere Vorstandsmitglieder: Cornelia Benninghoven (freie Journalistin, Köln), Hilde Weeg (freie Journalistin, Jena), Karin von der Groeben (freie Journalistin, Mainz) und Sabine Göb (freie Journalistin, Nürnberg).
Dr. Sibylle Plogstedt erhält Hedwig-Dohm-Urkunde
Für ihr mutiges und beeindruckendes Lebenswerk wurde die Journalistin, Publizistin und promovierte Soziologin Dr. Sibylle Plogstedt mit der Hedwig-Dohm-Urkunde des jb ausgezeichnet.
Sie saß als politische Aktivistin 1969 in Untersuchungshaft in Prag, zählte 1976 zu den Gründerinnen der feministischen Zeitschrift „Courage“, später zu den Initiatorinnen und Gründerinnen des Journalistinnenbundes.
In ihren Publikationen und Filmen thematisiert sie immer wieder unbequeme, kritische Themen und gesellschaftliche Missstände, wie Alkoholismus oder sexuelle Belästigung. Aktuell diskutiert wird ihre Studie „Knastmauke“, in der Häftlinge der DDR von ihren traumatischen Erfahrungen berichten.
Nachwuchspreis des jb geht an Simone Rau (Tagesanzeiger, Schweiz)
Der Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes „Andere Worte – neue Töne“ wurde 2011 erstmals an eine Schweizer Journalistin verliehen. Simone Rau, Redakteurin beim Schweizer “Tages-Anzeiger“ erhält den mit 1.000 Euro dotierten Preis für ihre Reportage „Die Krankpflegerin“, erschienen im MAGAZIN des Tages-Anzeigers am 22. Januar 2011. Darüber hinaus wurden zwei lobende Anerkennungen vergeben: an
Maris Hubschmid, Volontärin beim Berliner „Tagesspiegel“, für ihre Reportage „Denn er wusste Tag und Stunde“ (1./2. 4.2010, Tagessspiegel); und an Karen Naundorf, freie Korrespondentin im Netzwerk „Weltreporter“ für „Lasst uns doch in Ruhe arbeiten“ (27.9.2010, Jugendmagazin „Fluter“, BpB).
Die fünfköpfige Fachjury unter der Leitung von Gabi Dewald (Jury-Vorsitzende seit 2001), wählte die Arbeiten unter über 30 Einsendungen aus. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen eines Festaktes 3. September in Berlin.
V.i.S.P.
Andrea Ernst, 1. Vorsitzende
Journalistinnenbund, Plittersdorfer Str.58, 53173 Bonn, Tel. 0228/312747, Fax 0228/433 1665
www.journalistinnen.de; journalistinnenbund@t-online.de
Liebe Kolleginnen,
wie spannungsgeladen das Verhältnis zwischen Mut und Macht in unserer Branche sein kann, hat jede von uns schon erfahren. Es braucht nicht etwa nur Mut, brisante Themen zu recherchieren und dabei auch Mächtige herauszufordern. Schon in der Redaktion selbst ist oft Mut vonnöten. Um sich mit einem Thema oder der eigenen Sicht durchzusetzen, um gegen Trends anzugehen, um zu widersprechen oder einfach nur ans Licht zu holen, was sonst undiskutiert bliebe.
Dabei muss uns klar sein, dass wir mit unseren Kameras, Mikrofonen oder dem geschriebenen Wort Machtmittel in der Hand haben. Als Journalistinnen bilden wir nicht einfach nur reale Zustände ab, wir werden zu Akteurinnen, können aufrütteln aber auch manipulieren, lassen uns einfangen oder gar einspannen vom Erfolgsdruck und der Vorstellungskraft anderer und hinterlassen selbst mit dem, was wir nicht schreiben eine Botschaft. – Über all dies wollen wir miteinander ins Gespräch kommen, aber auch mit jenen diskutieren, die als Strateginnen an den Schalthebeln medialer Macht sitzen. Welcher Ort könnte passender dafür sein als das ARD-Hauptstadtstudio?
Daneben sind Workshops geplant und bleibt - wie wir hoffen - Zeit, um den Austausch des vergangenen Jahres fortzusetzen.
Die Regionalgruppe Berlin und der Vorstand freuen sich auf anregende, spannende und schöne Tage und ein Wiedersehen mit Euch allen.
Herzlichst
Eva Kohlrusch
2.-4. September 2011 in Berlin
Freitag, 2. September 2011
| 13.00 – 16.30 Uhr | Treffen der neuen Mentorinnen und ihrer Mentees (nur für geladene Teilnehmerinnen), Van-Delden-Haus |
| 15.00 – 17.00 Uhr | Newsroom-Führung bei dpa mit Christian Röwekamp (15 Teilnehmerinnen möglich) |
| 15.30 – 16.30 Uhr | Führung „Hedwig-Dohm - Spuren ins Jetzt“ mit Isabel Rohner |
| 18 Uhr | Empfang der rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle im Haus des Rundfunks |
| ab 19.00 Uhr | Kantinengespräche, informelles Zusammensein im rbb |
| ab 21.30 Uhr | Bustransfer ins Van-Delden-Haus |
Samstag, 3. September
| 8.30 Uhr | Anmeldung im Tagungszentrum Van-Delden-Haus |
| 9.30 Uhr | Begrüßung |
| 9.45 Uhr | Mitgliederversammlung mit Wahl des neuen Vorstandes |
| 13.00 Uhr | Mittagspause |
| 14.30 Uhr | Workshops I bis V siehe unten |
| 16:00 Uhr | Kaffeepause |
| 16:30 - 17.30 Uhr | Berichte aus den Workshops |
| ab 18:00 Uhr | Spaziergang zum Primussaal |
| 19.00 Uhr | Festlicher Abend mit Verleihung der Hedwig-Dohm-Urkunde und des Nachwuchspreises |
Sonntag, 4. September
| 9.30 Uhr | Abfahrt vom Van-Delden-Haus zum Hauptstadtstudio |
| 10.30 Uhr | Öffentliche Podiumsdiskussion: „Mut und Macht in den Medien“ mit
Moderation: Andrea Dernbach, Der Tagesspiegel |
| 13.00 Uhr | Mittagsimbiss im Hauptstadtstudio |
| ab 14.00 Uhr | Angebot zum Ausklang der Jahrestagung: ab 14.00 Uhr Führung "Zwischen Victoria-Lyceum und Begine" mit Regine Wosnitza entlang der Potsdamer Straße |
Workshops
I Älter werden im Journalismus
Moderation: Marlies Hesse
Der demografische Wandel geht uns alle an. Eine AG des Journalistinnenbundes befasst sich seit längerem mit dem Thema und dem verantwortungsvollen Umgang von Altersbildern in den Medien. In einem Erfahrungsaustausch mit dem Blick auf die Realität sollen u. a. Möglichkeiten angesprochen werden, wie die ökonomische Absicherung der Journalistinnen im Alter gewährleistet werden kann und wie sich die nachberufliche Lebensphase sinnvoll ausfüllen lässt.
II Social media – Netzwerken im Journalistinnenbund
Moderation: Olivera Wahl
III Blick über Grenzen – Hilfe für verfolgte Kolleginnen
Moderation: Ulrike Helwerth und Kerstin Kilanowski
In diesem Workshop wollen wir eine Idee aus dem Word Café 2010 aufgreifen. Mit und am Beispiel unserer ugandischen Kollegin Lillian Ikulumet wollen wir darüber reden, wie wir Kolleginnen aus anderen Ländern helfen können, die in Ausübung ihres Berufs in Gefahr und/oder Not geraten sind. Welches sind unsere Kriterien und Ansprüche, was können und wollen wir leisten? Welche finanziellen und menschlichen Ressourcen sind dafür notwendig? Welche Strukturen brauchen wir dafür im JB?
IV Mehr Stolz, ihr Frauen! – Initiierung einer Hedwig-Dohm-Akademie
Moderation: Sibylle Plogstedt, Eva Kohlrusch, Helga Kirchner
V Kachelmann und Co.: Ethik und Parteilichkeit journalistischer Berichterstattung
Moderation: Gislinde Schwarz
Faltblatt zur Jahrestagung 2011
Gesponsert von:
