Jahrestagung 2011 Copyright Eva Hehemann
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Berichte aus den Workshops der jb-Jahrestagung in Berlin 2011

 

 

Workshop 1: „Älter werden im Journalismus“

Marlies und Sabine berichteten aus der JB-Alters-AG. Marlies referierte außerdem zum Einstieg, wie Medien mit dem Thema demografischer Wandel umgehen und welche (positiven und negativen) Altersbilder sie transportieren. Studien zum Thema sind vorwiegend nicht genderspezifisch.

Die Teilnehmerinnen (vorwiegend freie Journalistinnen) waren in der Altersgruppe knapp Fünfzig bis Mitte Siebzig. Eine Erfahrungsrunde zum Anfang zeigte, dass der fünfzigste Geburtstag wohl für viele Kolleginnen einen Wendepunkt darstellt, an dem oft auch eine Umorientierung beginnt. Diejenigen, die schon länger über diesen Punkt hinaus waren, berichteten von der Erfahrung nachlassender Kraft (vor allem, wenn man im Aktuellen oder anderen stressigen Bereichen arbeitet), die für eine Weile noch durch viel Routine kompensiert werden kann. Zugleich sind viele jenseits der Fünfzig in den Redaktionen mit einer wachsenden Konkurrenz zwischen Jung und Alt konfrontiert, die im schlechtesten Fall auch zu Mobbing durch Jüngere führt.
Ermutigend waren dagegen Erzählungen über eine zweite Karriere nach dem Ende des „eigentlichen“ Berufslebens – das Netzwerken wird dabei noch wichtiger als in früheren Jahren – und von Kolleginnen, die im Bücherschreiben ein zusätzliches Standbein gefunden haben. Beifall fand das Beispiel einer Kollegin, die sich finanziell so aufgestellt hatte, dass sie frühzeitig den Absprung aus dem Journalismus schaffte und Malerin geworden ist.


So ein geplanter Umstieg auf weniger belastende Tätigkeiten, vielleicht auch auf den beginnenden Ausstieg ist also erstrebenswert, aber für viele schwierig zu erreichen. Wer als Redakteurin fest eingebunden ist (vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk), hat wenig Zeit, sich während des Berufslebens schon eine solche Perspektive zu schaffen. Da kann der Ruhestand zum tiefen Einschnitt werden. Und gerade viele Freie können sich gar nicht leisten, weniger zu arbeiten. Der Aufbau einer finanziellen Absicherung ist für sie schwierig, so dass viele auch über die 65 hinaus auf weitere Erwerbstätigkeit angewiesen sind. Deshalb suchen sich einige ein Standbein jenseits des Journalismus (z.B. Vermietung von Ferienwohnungen).
Im Laufe der Diskussion entstand die Idee, neben dem JB-Nachwuchspreis einen zweiten für ältere Kolleginnen zu schaffen. Das Preisgeld könnte die Möglichkeit schaffen, ein neues Projekt ohne Zeitdruck zu recherchieren. Ebenso entstand der Vorschlag, stiftungsfinanzierte Stipendien einzurichten, die nicht an die üblichen Altersgrenzen gebunden sind.

Ein allgemein gültiges Rezept für erfolgreiches Altern gibt es nicht, da waren sich die Teilnehmerinnen am Ende des Workshops einig. Für den JB ergeben sich nach Einschätzung der Teilnehmerinnen folgende Arbeitsfelder als Anregung für die Alters-AG:

  • Unterstützung bei der Neuorientierung bieten
  • eine Erinnerungskultur etablieren (Wertschätzung)
  • Strategien für das gute Älterwerden entwickeln
  • sich öffentlich in die Debatte um den demografischen Wandel einmischen.

Corinna Blümel

 

2. Workshop: Social Media - Xing, Facebook & Co.

Leitung: Social-Media Expertin Olivera Wahl (Köln)

Zentral war die Frage: „Wie schaffen es freiberufliche Journalistinnen, dass sie regional und überregional sichtbarer werden?“ Olivera Wahl vermittelte v.a. für freiberufliche Journalistinnen, wie sie z.B. ihre Bekanntheit erhöhen, ihre Position in Google befördern können, wie sie über eigene Themenfelder / Interessen / Vernetzungen als Expertin bekannter werden können - oder worauf z.B. beim Xing-Profils zu achten ist, um leichter gefunden zu werden. Dazu wurden viele Fragen der TN diskutiert und beantwortet.

Zurückgestellt wurde eine Diskussion über die Frage, wie/wo der jb als network sich engagieren soll: Das Für/Wider eines Auftritts bei Facebook, die Vernetzung bei XING etc. werden in einer WEB AG gesondert diskutiert und entschieden.

Freundlicherweise stellt Olivera ihre Power-Point-Präsentation den jb-Mitgliedern zur Ansicht auf ihre Website, Titel: „Kostenloses Marketing – social media macht’s möglich“ (Für den Link bitte melden in der Geschäftsstelle des jb).

 

3. Workshop: Blick über Grenzen: Hilfe für verfolgte Kolleginnen

Workshopleiterinnen waren Kerstin Kilanowski und Ulrike Helwerth

Auslöser für den Workshop war die Unterstützung für die aus Uganda stammende, verfolgte Journalistin Lillian Ikulumet (die dank einer Spende nun jb-Mitglied geworden ist: darüber freuen wir uns sehr!).

Lillian Ikulumet hat ihre Geschichte kurz selbst auf Deutsch erzählen können - ein sehr beeindruckender und bewegender Moment auf der Jahrestagung! Ihre Geschichte – und die engagierte und umsichtige Hilfe durch das Netzwerk des jb (allen voran: Kerstin Kilanowski!!) zeigen, was wir leisten können – aber es zeigt auch die Grenzen auf.

Das Wichtigste:

Aus diesem Workshop ist die AG Journalistinnen in Gefahr entstanden. jb-Mitglied Ingrid Arnold hat bereits eine google-group eingerichtet: http://groups.google.com/group/jb-ag-jingefahr: Dazu gibt es auch eine mailadresse: jb-ag-jingefahr@googlegroups.com

Wie es weitergehen kann:

  • sich Hilfe holen, wie es andere Organisationen tun
  • Politische Aktionen, um auf Fälle aufmerksam zu machen
  • Spenden
  • Persönliche Hilfe (wie im Fall Lillian, die Protokollantin)
  • Professionelle Aktionen

Weitere Aufgaben:

  • Ulrike Helwerth und Karin Flothmann kümmern sich um Infos, wie andere Organisationen ihre Hilfe organisieren.
  • Kerstin Kilanowski und Margit Schlesinger-Stoll kümmern sich um Spenden von Stiftungen.
  • Karin Flothmann, Kerstin Kilanowski, Andrea Ernst und Ulrike Helwerth wollen eine Fundraising-Tagung organisieren mit Journalistinnen aus aller Welt. Ziel ist es, einen Fond für verfolgte Kolleginnen im JB einzurichten.

 

4. Workshop: Mehr Stolz Ihr Frauen –
Einrichtung einer Hedwig-Dohm-Akademie

Sibylle Plogstedt und Eva Kohlrusch wollen das Projekt in Künsche (Wendland) angehen. Es wird ein privatwirtschaftliches Unternehmen dieser beiden JB-Frauen sein. Angedacht sind zwei bis vier Wochenendveranstaltungen im Jahr mit Workshops zu Themen wie „Tanz der Edelfedern“, „Der dokumentarische Blick“ oder „Rolle der Polemik“.

Darüber hinaus ist eine Initiative Medienpolitischer Salon entstanden. Ziel ist es, mit medienpolitischen Themen eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.

Für diesen medienpolitischen Salon haben Helga Kirchner,Sibylle Plogstedt und Eva Kohlrusch eine Diskussionsvorlage formuliert:

Im Worldcafé auf der Jahrestagung 2010 spielte die Frage nach der besseren Sichtbarkeit des JB in der Öffentlichkeit eine große Rolle. Vor allem wurde diskutiert, wie sich der JB öffentlich wirksamer positionieren kann, damit seine Stimme wahrgenommen, ja unüberhörbar ist und seine Voten zu wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen und Debatten eingeholt werden.

Einen Ansatz dafür sehen wir in einem vom JB initiierten Forum/Salon, in dem mehrmals im Jahr derartige Themen und auch medienpolitische Grundsatzfragen debattiert werden. Das könnte zudem als Impulsgeber für die vom Vorstand/von der Vorsitzenden angestoßenen Grundsatzdebatten wirken und/oder diese flankieren.
Denkbar sind Themen und Streitfragen wie sie bereits in Berlin auf der Tagesordnung stehen:

  • Mut und Macht in den Medien,
  • Ethik und Parteilichkeit im Journalismus
  • Genderbilder in den Medien
  • Wikileaks und die Frauen
  • Casting-Shows wie Supermodel – Chance oder Drama für die Mädchen
  • Serien en vogue: Frauentausch, Supernanny, Bauer sucht Frau: TV seriös oder Krawall
  • Einfluss der Kommunikationsagenturen/Medienberater auf Agendasetting und Framing
  • Medienökonomie – die Macht der Konzerne
  • Copy & Paste: die Zukunft von Recherchestandards bei steigendem Zeitdruck und sinkenden Honoraren

Die Foren sollen so besetzt sein, dass wichtige Positionen (inkl. jb-Kompetenz) repräsentiert sind.

Weitere Überlegungen dazu: Nicht Themenideen und Besetzungsvorschläge stellen für uns eine Herausforderung dar. Vielmehr besteht diese für unseren vom Ehrenamt getragenen Verband in erster Linie darin, ein regelmäßiges und auf Dauer angelegtes Forum/Salons zu organisieren. Wir sollten davon absehen, nur an einem Ort präsent zu sein. Das schlösse viele Jblerinnen als Teilnehmerinnen aus. Zudem erfordert es große Mühe und einiges an Mitteln, in großen Städten eine neue Medien- Veranstaltung gegen bereits vorhandene Anbieter erfolgreich zu etablieren.

Deshalb schlagen wir vor, das Forum an den Standorten der Journalistenschulen anzusiedeln (Berlin, Hamburg, Dortmund, Köln, München, Leipzig). Die Veranstaltungen sollen öffentlich sein, jedoch sollte der journalistische Nachwuchs die Hauptzielgruppe sein (um den wir uns ja ohnehin verstärkt kümmern wollen). Wenn wir mit den Unis/Journalistenschulen kooperieren, könnte sich die Raumfrage eventuell von selbst erledigen; über vorhandene Medienverteiler könnte auch ein Teil der Werbung abgewickelt werden. Und überdies gibt es dort Regionalgruppen, die das Vorhaben unterstützen werden. 

An einigen Unis lehren JB Mitglieder, auf die wir für die Zusammenarbeit leicht zugehen können. An anderen Standorten müssten wir uns dafür AnsprechpartnerInnen suchen.

Sollte all dies glücken, bleiben weitere, regelmäßig anfallende Aufgaben und Aufwendungen:

Die teilnehmenden Gäste müssen eingeladen werden, es fallen Kosten für Honorare, Fahrten und Übernachtungen an. Die JB- Forumsbeauftragten entscheiden in Absprache mit dem Vorstand und den KooperationspartnerInnen über Themen und PodiumsteilnehmerInnen. Um deren Akquisition, die anfallenden Reisevorbereitungen und eventuell erforderliche zusätzliche Werbemaßnahmen kümmert sich eine Agentur. (Sibylle Plogstedt hat dazu einen ersten Kontakt mit Fachfrauen geknüpft). Die Moderation liegt beim JB.

Finanziert werden soll das Vorhaben vor allem aus Spenden. Wir werden an Gönnerinnen herantreten, die für etwas Derartiges aufgeschlossen und zugleich vermögend sind. Allerdings halten wir es für unerlässlich, dass wir JB-Mitglieder in Vorleistung treten. Das erleichtert das Fundraising, vor allem erhöht es unsere Glaubwürdigkeit, denn es macht deutlich, wie wichtig uns die Sache ist.

Unser Vorschlag zur Abstimmung [auf der MV wurde nicht darüber abgestimmt, sondern die Idee nur vorgestellt, Anm. d. Red.]: Erprobung des Projekts „JB-Forum“ im Jahr 2012 - vier Foren, eines davon in Verbindung mit der Jahrestagung, teilfinanziert durch eine Einmalzahlung aller Mitglieder von 15,00 Euro zuzüglich einzuwerbender Spenden. Zur Realisierung des Projekts gründen wir eine Arbeitsgruppe, für die es mit Sibylle Plogstedt und Helga Kirchner bereits feste Ansprechpartnerinnen gibt. Wenn aus der Initiative eine AG entsteht, werden Rosi Mieder, Karin von der Groeben wie auch Eva Kohlrusch Mitglieder sein. Aus dem Workshop auf der Jahrestagung heraus wurden als jüngere Kolleginnen Isabel Rohner und Sylvia Feil benannt.

Gegenwärtig nehmen Helga Kirchner und Sibylle Plogstedt Kontakt zu den Regionalgruppen an den Orten auf, wo Journalistinnen ausgebildet werden, um mit den Sprecherinnen dort die Realisierbarkeit eines Salons zu prüfen.

Das Projekt wird mit dem neuen Vorstand und innerhalb des jb weiter diskutiert.

 

Workshop: Kachelmann & Co. – Ethik und Parteilichkeit journalistischer Berichterstattung

Moderation: Gislinde Schwarz (Berlin), mdl. Vortrag im Plenum: Henni Keller.

Beispiel: Der Prozess um Jörg Kachelmann. Der Prozess war noch nicht einmal eröffnet, da war das Urteil schon gefällt – u.a. von Alice Schwarzer und Gisela Friedrichsen. Auf der Strecke blieb die journalistische Verantwortung.

Was tun? Netzwerk Recherche hat sich bereits positioniert und z.B. einen eigenen Kodex für seine Mitglieder formuliert. Kann es das auch im jb geben? Was sollte darin stehen?

Themen im Workshop: Zunehmender Druck im journalistischen Arbeitsalltag, weniger Recherchezeit, Tendenz zur „Skandalisierung“ in den Medien, zunehmende Vermischung von PR-Inhalten und journalistischer Information.

Diskutiert wurde z.B. auch die Frage des Umgangs im jb mit PR-/Journalismus. Teilnehmerinnen des JB-Workshops fragten sich, ob ein Ausschluss von PR-Tätigkeit als Voraussetzung zur Mitgliedschaft (im nr so formuliert) angesichts der schwieriger werdenden wirtschaftlichen Bedingungen im Journalismus haltbar ist. „Die Realität der jb-Mitglieder sieht anders aus“, hieß es hierzu. Dennoch wurde angeregt, dass auch der jb sich zu den Grenzen zwischen PR und Journalismus positionieren sollte. Auch die Formulierung eines „Code of Conduct“ wurde angeregt.

 

 


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