
Der Journalistinnenbund verleiht den Nachwuchspreis 2010
an die TV-Autorin und Regisseurin
Laetitia von Baeyer
für ihren im ZDF gesendeten Film „Brief an die Eltern“.
Drei Jahre hat die Autorin gekämpft, um das Portrait des ehemaligen politischen Gefangenen der DDR, Jens A., der 1985 freigekauft wurde und nach West-Berlin übersiedelte, durchzusetzen. Diese Häftlingsgeschichte wäre eine unter vielen, wenn der Vater von Jens A. an der Verhaftung seines Sohns Mitte der 80er Jahre nicht Mitschuld getragen hätte. Noch heute wartet Jens vergeblich auf eine Aussprache. Einzig in einem Brief kann er sich seinen Eltern mitteilen.
Ein eigenständiger Film ist daraus entstanden - nicht formatiert, wie so vieles in der dokumentarischen Fernsehlandschaft. Ein relevanter, reifer Film, der optisch auch im Einsatz von Details, von der Verwendung unterschiedlicher Bildquellen und von der Montage her, sehr ambitioniert ist. Er lässt den Protagonisten die Zeit, die sie brauchen, lässt sie "atmen" und dem eigenen Empfinden nachhorchen. Die Autorin trägt die "friedliche" Überzeugung von Jens A. mit, dem es an keiner Stelle um Rache oder Aufrechnung geht. Sie fällt kein Urteil, sucht vielmehr nach Erklärungen. Und noch etwas, das es nur zu selten gibt: das Ende ist offen.
Ein Stück deutsche Geschichte, mit Abstand und ohne Vorwurf reflektiert.